Als ich von dem neuen Lizenzmodell gehört habe, habe ich erst mal geschluckt.
Bei der Idee, die Variablenanzahl zu begrenzen, stellen sich mir direkt die Nackenhaare auf. Ich habe vor vielen Jahren die Unlimmited-Version gekauft, um eben keine Limits diesbezüglich zu haben. Glücklicherweise werde ich ja erst mal nicht von der Umstellung betroffen sein, aber wenn es so wäre, würde ich mir gut überlegen, ob ich weiter auf Symcon setzten würde.
Für mich macht die “unbegrenzte” Anzahl an Objekten in IPS einen Großteil der Flexibilität aus. Ich kann jederzeit was neues bauen, umbauen oder auch einfach nur testen, ohne dass ich mir Gedanken darüber machen muss, dass im Hintergrund irgendeine virtuelle Ressource limitiert ist.
Ich arbeite sehr viel mit Skripten, weil ich meist zu faul bin, Module zu schreiben. Da stopfe ich auch gerne mal viel Zeugs in Variablen, was ich bei einem Modul über Properties, Attribute oder Buffer lösen würde. Wenn ich das nicht mehr könnte, weil ich ständig an irgendein Limit denken müsste, wäre diese Flexibilität für mich nicht mehr gegeben. Auch speichere ich gerne lieber zu viele Daten als zu wenige. Ich habe es schon oft erlebt, dass ich irgendwelche Werte gespeichert (und geloggt) habe, für die ich zu dem Zeitpunkt noch gar keinen Anwendungsfall hatte. Aber irgendwann kommt dieser Anwendungsfall dann plötzlich doch um die Ecke und ich bin froh, dass ich die Daten schon habe.
Ich persönlich könnte mir vorstellen, für bestimmte Funktionen extra zu zahlen (solange das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich passt). Aber dann eher nicht auf Basis von irgendwelchen Objekt-Limits. Ich finde Objekte - egal welche - sagen erst mal rein gar nichts über den konkreten Mehrwert aus. Ich kann mir 100 Dummy-Instanzen erstellen und der Mehrwert dürfte überschaubar sein (Stichwort Instanz-/Geräte-Limit). Wenn müsste man die Funktionalität / den Mehrwert meiner Meinung nach anders bemessen. Auch wenn ich gerade keine Patentlösung dafür habe. Den Ansatz, den Symcon seit einiger Zeit fährt, dass man für die Nutzung einer Technik (z.B. BACnet) einmal extra zahlt, finde ich gar nicht so schlecht.
Ich könnte mir auch ein angepasstes Subscription-Modell vorstellen. Eigentlich hasse ich zwar Abo-Modelle, aber hier zahle ich für die Weiterentwicklung und den Connect-Service und kann mich in diesem Fall gut damit anfreunden.
Aber unterm Strich hat natürlich jeder seine eigenen Bedürfnisse und seine persönliche Schmerzgrenze. Wenn der Einmal-Invest für das Smart Home eine gewisse Grenze überschreitet, wird es die Leute genauso abschrecken, wie zu hohe laufende Betriebskosten.
Ich glaube das Hauptproblem liegt am Ende in den unterschiedlichen Kundengruppen:
“normale” Privatanwender:
Die bauen/modernisieren ein Haus, kaufen das Produkt ggf. inkl. Dienstleistung durch einen Integrator, lassen einmal alles fertig machen, so wie ich den Elektriker beauftrage und dann sind sie fertig damit. Alles läuft, es wird in der Regel nichts angepasst, man zahlt einmal Summe X und ggf. einen überschaubaren monatlichen Beitrag und gut.
“Hobby”-Privatanwender:
Er kauft das Produkt, weil er genau weiß, dass er ständig neue Ideen hat, die er umsetzen will. Für ihn ist Symcon vermutlich mehr ein Werkzeug. Dieser Kundentyp kauft das Produkt - vermutlich auch gerne zu einem höheren Preis - will dann aber flexibel sein (so wie ich) und machen können, was er will. Wenn das aber mit immer neuen Kosten verbunden ist und es alternative Produkte gibt, mit denen man zu ähnlichen Ergebnissen kommt, aber ohne oder mit gerigeren Kosten, dann kann man sich denken, was diese Kundengruppe früher oder später tut. Denn hier liegt die Hürde ja nicht in mangelnder Zeit oder Knowhow, wie es wahrscheinlich beim normalen Privatkunden der Fall ist.
Geschäftskunde:
Vermutlich eine Mischung aus den ersten beiden Typen. Das Produkt wird einmal gekauft und eingerichtet. Es wird sicher auch öfter Anpassungsbedarfe geben, aber vermutlich nicht in dem Maße, wie beim Hobbyanwender. Hier wird der Fokus wohl auf Stabilität und Support liegen, wohingegen Kosten vermutlich eine geringere Rolle spielen, als bei den Privatanwendern.
Das sind einfach mal auf die Schnelle meine Gedanken zu dem Thema zusammen geschrieben. Ich will hier auch gar nichts bewerten. Wie schon geschrieben: jeder hat seine Sicht auf die Dinge und andere Meinungen sind deswegen nicht falsch. Die Kunst ist es am Ende, eine möglichst breite Menge unter einen Hut zu kriegen.
So sieht es aktuell übrigens bei mir im Einfamilienhaus aus, bei dem derzeit noch zwei Etagen komplett im Umbau sind und sich in Sachen Objekten noch vieles nach oben verändern wird. Es kommt überwiegend KNX zum Einsatz, aber auch Modbus, EnOcean, MQTT, Shelly und diverse Nischen-Lösungen.