Ich beschäftige mich gerade mit dem dynamischen Stromtarif. Ich habe da mal einige verglichen. Aktuell scheint ja wohl Gasag einen sehr günstigen Arbeitspreis zu haben. In Symcon finde ich Module wo man aber nur teure Anbieter wie Tibber auswählen kann. Wieso legt man sich überhaupt mit Anbieter fest anstatt die Daten direkt von der Börse zu holen und man als Nutzer nur die Aufpreise je kwh zusätzlich eingibt; um sich die Forecast Daten visualisieren zu lassen. Oder wähle ich dazu aus der Liste “EPEX Spot (über ENTSO-E)”
Hat da schon jemand mehr Erfahrung gesammelt und kann mich mal aufklären?
Ok, danke für die Info. Ich bin gerade dabei mich bei ENTSO-E zu registrieren. Was für ein Aufwand. Der Token braucht auch wohl länger bis er nach Registrierung erstellbar ist. Integriert ihr im Modul auch noch SMARD API der Bundesnetzgaentur? Kostenlos, keine Wartezeit, etc.? https://smard.api.bund.dev/
Das mit den Dynamischen Stromtarifen und den Anbietern ist so eine Sache. @Ian Du schreibst Tibber wäre teuer, das kann daran liegen weil die von Tibber ja nicht wissen wie Du den Strom einkaufen wirst und Dir deshalb keinen Bären aufbinden wollen. Ich für uns kaufe bei Tibber unsere Energie bestimmt günstiger ein wie DU das je bei der Gasag tun könntest. Nachfolgend mal die Abrechnung der letzten Monate.
Damit man mit dynamischem Stromtarif sparen kann sollte man mindestens einen Speicher haben um über die teuren Phasen kommen kann. Noch schöner wird es wenn man einen großen Speicher, einen leistungsfähigen Wechselrichter, eine Grid Reward fähiges Autos und oder Wallbox hat. Denn dann kommst Du auf solche Preise wie oben.
Wenn Du noch besser aufgestellt bist, dann hast Du bereits nach EnWG §14a Modul 1und evtl. auch die zeitvariablen Netzentgelte nach Modul 3 erreicht.
Und dann wird es mit den Stromlieferanten interessant. Tibber packt Modul 3 in die API rein und kommt dann auch bei Symcon an. Das ist für mich super wichtig im Winter weil ich nur einmal am tag die Energie mit einem 30 kW Wechselrichter - quasi mit Druckbetankung - einkaufe. Modul 3 in Tibber kann ich am besten über die nachfolgenden 2 Abbildungen darstellen. Links ohne die Zuschläge, wenn Du möchtest EPEX-Spot Netto. Rechts sind die Netzentgelte etc. dabei und Du kannst dann auch die für uns günstige Zeit der zeitvariablen Netzentgelte erkennen. Die sind zwischen 00.00 und 06.00 Uhr.
Die Strombörse-Preise sind bei allen Anbietern gleich (fast alle nutzen Dayahead). Die Anbieter unterscheiden sich, wenn ich nicht komplett falsch liege, über deren Arbeitspreis, der sozusagen auf den Strompreis der Börse aufgesattelt wird. Der Anbieter Arbeitspreis beinhaltet dann auch die gesetzlichen Komponenten. Daher verdient der Anbieter durch das Aufsatteln und dem Grundpreis für den Zählerbetrieb. An meinem Standort zumidnestens ist Tibber daher recht teuer (keine Ahnung ob das an einem anderen Standort anders ist). Ich hatte das auch mal via Backtest (vergleich statischer Tarif und dynamischer) durchgerechnet - aber am Ende lassen sich die Anbieter fast alle gut über den Arbeitspreis vergleichen - wie gesagt der Börsenpreis ist ja bei allen gleich. Selbst der Vergleich am Standadort was Netzgebühren angeht.
Der Preisvergleich ist auch unabhängig von der Nutzung und Lastverschiebung. Das wäre ja auch bei allen Anbietern gleich… Dabei geht es dann aber nicht mehr um den EP Preis sondern um die sinnvolle zeitgesteuerte Nutzung.
Genau genommen sind die meisten Preisanteile identisch, das was der Stromlieferant verdienen möchte ist der kleinste Anteil. Ich war früher bei aWATTar, die sind auch einen Ticken günstiger wie Tibber, aber das gesamte Package von Tibber war für mich besser weil Tibber eben mit der API den absoluten Preis liefert ohne rumlavieren zu müssen.
Ich finde es gut, dass du es auch mit alternativen Anbietern probierst. Bei den kurzen Kündigungsfristen ist das ja kein Risiko. Was passiert, wenn man die Globalplayer unterstützt, sieht man ja an Tesla, Amazon, WhatsApp, Paypal etc.
Für mich war und ist es immer wichtig, dass man sich nicht mit Chatbots oder sonstigem rumschlagen muss, sondern es eine richtige Telefon-Hotline gibt. Wenn dann der Zuschlag 1 ct mehr kostet, ist es mir das allemal wert.
Das vorgehen finde Ich äußerst interessant und spannend.
Ich bin gerade auch dabei über eine PV Erweiterung inkl. Speicher nachzudenken. Aber den Speicher größer zu machen um z.B. im Winter 1x in der Nacht den gesamten Speicher zu füllen und damit über den Tag zu kommen ist natürlich super.
Steuerst du dass alles über Symcon oder wie sieht die genaue Logik und das System dahinter aus?
Vergiss aber nicht den teilweise sehr schlechten Systemwirkungsgrad bei niedrigen Entladeleistungen, unter Umständen zahlst du drauf wenn du “billigen” Netzstrom pufferst aber durch schlechten Wirkungsgrad hohe Verluste hast.
Ja, ich steuere das alles über Symcon, derzeit mitunter noch etwas provisorisch weil ich z.B. erst im März EnWG §14a Modul 3 über Tibber bekommen habe. Derzeit bin ich aber dabei eine mehr oder weniger Suite rund um Energiesysteme Modular aufzubauen. Die Anfänge siehe Du hier:
Ich habe einen 40 kWh Speicher und habe es vergangenen Winter bis auf etwa an 5 Tagen geschafft immer mit der eingekauften Energie auszukommen. Mit an Board wie Du siehst ist auch eine Wärmepumpe. Die Autos werden direkt aufgeladen, nicht über den Homespeicher. Mit diesen Überlegungen ist die Steuerungslogik relativ trivial weil man ja nur einmal am Tag aufpassen muss … wenn da nicht die aufkommenden Sromprodukte mit - Tibber nennt das Grid Rewards - dem Regelenergiemarkt wäre. Dem Stromnetz helfen mit Grid Rewards | Tibber Magazine
Solche Produkte bedürfen einer besonderen Steuerung, d.h. wenn das Auto an der Dose hängt und die Grid Rewards beginnen zu laufen, dann ist es nur logisch, dass der Strom für das Auto nicht aus dem Homespeicher, sondern aus dem Netz kommt - und klar, auch nur der Strom für das Auto, der restliche Strom muss nach wie vor aus dem Homespeicher kommen.
Ps.: Was ich vergessen habe. Tibber beginnt nun auch Grid Rewards mit Homespeichern umzusetzen. Hier ist der ganz große Vorteil, dass wenn die Homespeicher dann den Befehl zur Entladung ins Stromnetz erhalten, Du keinen Direktvermarkter brauchst.
Direktvermarkter kostet Geld und Du brauchst eine Schnittstelle dafür. Diese Schnittstelle soll aber nicht das Problem sein, die habe ich bereits gebaut und muss die nur in eine Modulversion portieren.
Ich betreibe das System seit nun einem Jahr und kann Dir mal eine grobe Richtung geben …
Unterhalt (Heizung + Strom) für ein 140 m2 Haus
2 Autos mit jeweils > 20 tkm Jahres Fahrleistung
Kosten mit Fossilen Energieträgern rund 7.500 € / Jahr
Kosten mit normalem Strom rund 4.500 € / Jahr
Kosten nach meinem System rund 2.500 € / Jahr
Berücksichtigen muss man die eigene Ausgangssituation. Meine sieht so aus, dass ich in 2012 9,18 kWp PV gebaut habe die eine Einspeisevergütung von 18,36 ct/kWh bringt. D.h. die nächsten 7 Jahre möchte ich mehr Strom einkaufen weil ich ihn oft günstiger einkaufen kann als selbst zu produzieren.
Ja, dann wirst Du sofort fragen wie das gehen soll, genau zu dem Zeitpunkt wo meine PV das meiste produziert ist auch der Strom am günstigsten und ich habe nichts davon … genau hier setze ich den 2. Vorteil meines großen WRs ein. Ich lade durch meine eigene PV-Produktion hindurch. Verdünne quasi meine Einspeisevergütung im Verhältnis von bis zu 1:4.
Wir können das aber auch noch etwas verfeinern. Mein Netzbetreiber gibt für jeden Stromeinkauf zwischen 00.00 und 06.00 Uhr 90% Nachlass bei den Netzentgelten. Die Netzentgelte liegen bei uns bei 7.01 ct/kWh Netto, d.h. die Einsparung beträgt nur für die Netzentgelte bereits schon 7,5 ct/kWh und sind je nachdem wie Du den Strom einkaufst schon für sich 25%. Kommt dann noch hinzu, dass genau in dieser Zeit die Strompreise im Winter ohnehin günstig sind weil zu der Zeit niemand den Strom haben möchte. Vergangenen Winter konnte ich die Energie in diesem Zeitfenster fast immer für 12 - 18 ct/kWh bezieht.
Und wie sieht die Aussicht aus? Ab 2033 ist die Anlage „ausgefödert“ und ich bekäme nur noch etwa 3 ct/kWh Einspeisevergütung. Dann macht die Speicherung noch viel mehr Sinn für mich und die Leistungsverluste spielen noch weniger eine Rolle.
Ps.: Vielleicht sollte ich Dir noch sagen, dass ich mehrere 100 PV und Energiespeicheranlagen via Monitoring betreue und auswerte. Die schlechtesten Wirkungsgrade haben die reinen AC Batterie-Inverter.
Mit Blei-Säure Batterien reden wir von einem Wirkungsgrad von 55 - 65%. Mit Lithium-Ionen Technologie kommt man zwischen 80 - 85% raus. Bei den modernen Hybrid Wechselrichtern schafft man um die 90 - 92% Wirkungsgrad.
“… aber hier sollte man sich genau anschauen, wo die Wirkungsgrade der Wechselrichter im Teillastbereich liegen – denn längst nicht immer wird der Speicher bei der größtmöglichen Leistung entladen. In der aktuellen Stromspeicher-Inspektion hatten wir etwa ein Speichersystem, dessen Wechselrichterwirkungsgrad im Entladebetrieb bei 100 Watt nur bei 54 Prozent lag. Dazu kommen dann die Verluste der Batterie selbst. Dann reden wir schnell über einen Gesamtwirkungsgrad von 40 Prozent oder weniger.”
Du wirst vermutlich einwenden, dass deine Grundlast deulich höher liegt. Ja, dann steigt der Wirkungsgrad, wie man an deinen Werten sieht.
Der Link zeigt einige gute Übersichten zum Thema “Wann lohnt sich das Laden mit Netzstrom” gegen Ende der Seite: Stromspeicher-Inspektion 2026 • aquu
Weißt Du, wenn ich mit dem Homespeicher trotz Wirkleistungsverlusten rund 2 Riesen im Jahr sparen kann, dann muss sich vielleicht der Herrn Dr.-Ing. fragen ob er seine Ziele mit der Wissenschaft nicht falsch absteckt.
Aber ja, damit ich auch in diesem Punkt auf dem Laufenden bin, habe ich in meiner Visu auch den Punkt „Verluste“ abgedeckt.
Ich mache das ähnlich, aber noch manuell. Wenn die Preise unter 10ct (incl. allem) sind, dann brauche ich keinen Professor. Wir müssen anfangen nicht immer nur für jeden Cent in das eigene Portemonaie zu schauen, sondern die Netze entlasten. Die Strombörse ist ein gutes Beispiel, dass das im Grunde funktioniert. Der Klimawandel hat mich jetzt schon mehr gekostet, als die paar Verluste bei der Speicherung.
Eigentlich wäre das Aufgabe der Stromanbieter und Netzbetreiber die private Speicherung zu unterstützen, aber im Moment möchte man lieber Energie importieren, als eigene Ressourcen zu nutzen.
Insofern kann im Heise stehen was will. Ich finde die Nutzung von dynamischen Tarifen sehr sinnvoll und finde das Projekt von @Bricoleur sehr gut. Leider fehlt mir die Zeit und das Können so etwas auf die Beine zu stellen.
Euch vielen lieben Dank für die vielen Rückmeldungen! Das bringt einem einen super Überblick. Das hilft mir bei der Entscheidung weiter. Die Backtestberechnungen zeigen, dass sich in meinem Falle wohl wirklich Modul3 lohnenswert herausstellt.
Sobald es etwas Weiteres zu berichten gibt werden ich mal wieder Rückmeldung geben.
Ja, die sind nicht telefonisch zu erreichen und der Chatbot ist auch nicht die Wutz. Mir war der Service zu schlecht und meine Fragen wurden nur unzureichend und sehr zeitverzögert (Tage) beantwortet. Das kann Octopus z.B. viel besser.