Von einem lokalen Temperaturdisplay zur eigenen Hausautomations-Zentrale mit IP-Symcon
Ich wollte mein aktuelles IP-Symcon-Projekt einmal etwas ausführlicher vorstellen. Ursprünglich begann das Ganze gar nicht als großes Smart-Home- oder Energieoptimierungsprojekt, sondern mit einem sehr einfachen und praktischen Problem: Ich war mit einem vorhandenen Temperatur-/Wetterdisplay nicht zufrieden.
Die Idee war zunächst nur, dieses Display durch eine eigene Lösung zu ersetzen. Ich wollte weiterhin die gleichen nützlichen Informationen sehen – Temperatur, Wetter, vielleicht ein paar weitere Werte – aber möglichst lokal, unter eigener Kontrolle und ohne unnötige Weitergabe von Daten an externe Dienste.
Aus diesem kleinen Anfang ist mit der Zeit eine recht umfangreiche Automations- und Informationszentrale für das Haus entstanden.
Grundidee
IP-Symcon dient bei mir inzwischen nicht nur als Visualisierung, sondern eher als übergeordnete Steuerungs- und Informationsschicht. Das System sammelt Daten aus verschiedenen Quellen, bewertet Zustände, führt eigene Logiken aus und zeigt möglichst verständlich an, warum etwas gerade ein- oder ausgeschaltet ist.
Dabei ist mir wichtig, dass möglichst viel lokal bleibt. Cloud-Dienste nutze ich dort, wo sie sinnvoll oder notwendig sind, aber die eigentliche Logik, viele Messwerte und die Visualisierung laufen lokal.
Lokale Wetter- und Statusanzeige mit Temperatur, Wind, Prognose und weiteren Alltagsinformationen.
Was aktuell eingebunden ist
Inzwischen sind unter anderem folgende Bereiche integriert oder teilweise integriert:
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lokale Temperatur-, Wetter- und Windmessungen
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1-Wire-Sensoren und weitere Messwerte
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Shelly-Geräte für Messung und Steuerung
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einige Tuya-Geräte über eine MQTT-Bridge
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Strompreis-Daten im 15-Minuten-Raster
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Verbrauchs- und Kostenberechnungen
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Home-Connect-Geräte wie Geschirrspüler und Backofen
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Android-Tablets als Wanddisplays
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lokale Hinweise, Signaltöne und Alarmfunktionen
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Google Kalender, Wilma und Signal über einen separaten Python-Assistenten
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erste Daten der Wärmepumpe über BSB-LAN
Strompreise und Energie
Ein zentraler Teil des Projekts ist die Verarbeitung von Strompreisdaten. In Finnland sind inzwischen 15-Minuten-Preise relevant, daher hole ich die Preisdaten im Viertelstundenraster. Die Daten werden in IP-Symcon gespeichert, der aktuelle Preis wird als eigener Wert geführt und zusätzlich wird eine HTML/SVG-Grafik erzeugt.
Diese Grafik zeigt nicht nur den aktuellen Preis, sondern auch den zeitlichen Verlauf und günstige Zeitfenster. Ziel ist dabei nicht nur, den Strompreis sichtbar zu machen, sondern ihn als Steuerungsinformation nutzbar zu machen.
Mit diesen Daten lassen sich flexible Verbraucher sinnvoll planen. Es geht mir dabei nicht darum, jede Last zwanghaft in die absolut billigste Viertelstunde zu verschieben, sondern um praktische Optimierung: Was kann verschoben werden, ohne dass es im Alltag stört?
Geschirrspüler
Ein Beispiel ist der Geschirrspüler. Über Home Connect ist ein Siemens-Geschirrspüler eingebunden. In IP-Symcon kann eine „fertig bis spätestens“-Zeit eingestellt werden. Die Logik sucht dann ein geeignetes Startfenster unter Berücksichtigung des Programms, der Laufzeit und des Strompreises.
Dabei wird nicht blind der billigste Zeitpunkt genommen, sondern ein sinnvoller Kompromiss aus Preis und Alltagstauglichkeit gesucht. Zusätzlich werden Gerätezustände geprüft, damit nicht nur ein einzelner Startbefehl gesendet wird, ohne zu wissen, ob das Gerät überhaupt bereit ist.
Backofen
Der Backofen ist ebenfalls über Home Connect eingebunden. Hier war die Umsetzung etwas anspruchsvoller, weil die Standardintegration nicht für alles ausgereicht hat. Deshalb nutze ich zusätzlich die Home Connect Developer API.
In IP-Symcon können Temperatur, Programmart und Laufzeit eingestellt werden. Außerdem gibt es eine Sofortstart-Funktion und eine Automatik, die Start und Stopp überwacht. Beim Backofen ist besonders wichtig, die geräteeigene Logik zu berücksichtigen: Der physische Wahlschalter, der Remote-Start-Zustand, die Tür und der Betriebszustand müssen passen.
Autoheizung
Die Autoheizung ist bewusst anders aufgebaut als die Strompreisoptimierung. Sie wird nicht nach dem Strompreis gesteuert.
Hier zählt vor allem der praktische Nutzen: Das Auto muss warm sein, wenn es gebraucht wird, aber es soll auch nicht unnötig lange vorgeheizt werden. Die Logik basiert daher auf Abfahrtszeiten und Außentemperatur. Je kälter es ist, desto länger wird vorgeheizt. Wenn es warm genug ist, wird gar nicht geheizt.
Gerade bei solchen Funktionen ist es hilfreich, nicht nur „ein“ oder „aus“ zu sehen, sondern auch die Begründung: nächste Abfahrt, berechnete Heizdauer, Außentemperatur, aktueller Zustand des Shelly-Geräts und gemessene Leistung.
Wärmepumpe und BSB-LAN
Ein neuer und sehr interessanter Teil des Projekts ist die Anbindung der Wärmepumpe über BSB-LAN.
Bei mir läuft eine Oilon Cube Inverter Wärmepumpe mit Siemens-basierter Regelung. BSB-LAN ist inzwischen mit der Wärmepumpe verbunden, und der erste Messwert wurde testweise bereits nach IP-Symcon übertragen. Die grundsätzliche Verbindung funktioniert also.
Das BSB-LAN-Projekt findet man hier:
Zunächst geht es mir vor allem um Monitoring und Diagnose. Interessant sind zum Beispiel Betriebszustände, Vorlauftemperaturen, Speichertemperaturen, Anforderungen, Kompressorstatus, Heizstabnutzung und mögliche Fehlermeldungen.
Langfristig wäre denkbar, diese Daten mit den bereits vorhandenen Informationen zu kombinieren: Innentemperaturen, Außentemperatur, Wind und Strompreis. Ziel wäre aber keine aggressive externe Regelung, sondern eher eine übergeordnete, vorsichtige Optimierung. Die Wärmepumpe soll weiterhin ihre eigene Regelung nutzen, IP-Symcon könnte aber zusätzliche Informationen aus dem Haus berücksichtigen.
Ein praktisches Beispiel: Bei starkem Wind und Frost kühlen einzelne Räume schneller aus. Wenn IP-Symcon solche Situationen über Innenraumtemperaturen und Winddaten erkennt, könnte später eine leichte Anpassung sinnvoll sein. Im Abwesenheitsmodus wäre dagegen nicht unbedingt dieselbe Reaktion nötig.
Wetter, Innenraumdaten und lokale Anzeige
Die Wetter- und Temperaturanzeige ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Projekts, auch wenn inzwischen viel mehr dazugekommen ist. Verschiedene Innen- und Außentemperaturen, Winddaten und Prognosen werden in IP-Symcon gesammelt und auf den Wanddisplays angezeigt.
Gerade dieser Teil erinnert noch an den Ursprung des Projekts: Ich wollte ein lokales Display, das die relevanten Informationen anzeigt, ohne dass alle Daten unnötig über externe Dienste laufen.
Familienassistent: Google Kalender, Wilma und Signal
Neben der technischen Gebäudeautomation ist auch ein kleiner Familienassistent entstanden. Dieser ist in Python umgesetzt und nutzt unter anderem Google Kalender, Wilma und Signal.
Wilma ist in Finnland ein sehr verbreitetes Schulverwaltungs- und Kommunikationssystem für Schulen, Eltern und Schüler. Dort stehen zum Beispiel Mitteilungen, Stundenpläne, Hausaufgaben, Prüfungen und andere schulbezogene Informationen.
In meinem Projekt wird Wilma nicht zur Haussteuerung verwendet, sondern als zusätzliche Datenquelle für den Familienalltag. Der Assistent kann relevante Informationen auslesen und zusammen mit Google-Kalenderdaten per Signal an die Familie schicken.
Beispiele:
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Tagesübersicht der Familie
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Termine für morgen
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Wochenendübersicht
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Erinnerungen an wichtige Ereignisse
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Informationen zu anstehenden Prüfungen oder Hausaufgaben
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Signal-Kommandos wie „heute“, „morgen“ oder „Woche“
Damit wird IP-Symcon nicht nur zur technischen Automationszentrale, sondern auch zu einer Art Informationszentrale für den Alltag.
Tablets, lokale Hinweise und Alarmfunktionen
Als Bedien- und Anzeigeoberfläche nutze ich Android-Tablets mit Fully Kiosk Browser. Darauf laufen die IP-Symcon-Visualisierungen dauerhaft.
Zusätzlich werden die Tablets auch für lokale Hinweise genutzt, zum Beispiel für Töne, Sprachausgaben oder einfache Alarmfunktionen. Ein Beispiel ist eine lokale Einbruchsalarm-Logik mit Anwesenheitszustand, Verzögerung, akustischer Warnung und Signal-Benachrichtigung.
Auch hier ist mir wichtig, dass die Logik fehlertolerant ist. Ein Alarmton darf nicht endlos weiterlaufen, wenn der Zustand wieder auf „zu Hause“ wechselt. Solche Details sind in der Praxis mindestens genauso wichtig wie die eigentliche Auslösung.
Erfahrungen mit Zuverlässigkeit
IP-Symcon selbst hat sich als sehr zuverlässige Plattform erwiesen, sobald die Logik, Variablen, Ereignisse und Skripte sauber aufgebaut sind. Die meisten Herausforderungen entstehen eher an den Schnittstellen zu externen Systemen.
Bei Home Connect gibt es gelegentlich Themen mit Cloud-Verbindung, Token, Server Events oder verzögerten Zustandsinformationen. Außerdem muss man die Eigenlogik der Geräte berücksichtigen. Ein Backofen oder Geschirrspüler verhält sich nicht wie ein einfacher Schaltaktor.
Bei Tuya-Geräten ist die Zuverlässigkeit ebenfalls ein Thema. Über eine MQTT-Bridge bekommt man die Geräte zwar eingebunden, aber gelegentlich gibt es Probleme mit Statusaktualisierungen, Verbindungen oder der Bridge selbst. Für unkritische Dinge ist das in Ordnung, für kritische Steuerungen würde ich solche Geräte nicht ohne zusätzliche Absicherung verwenden.
Signal ist für Benachrichtigungen und Kommandos sehr praktisch. Kleinere Probleme gab es dort eher mit der Umgebung: Benutzerrechte, Gruppennummern, Dienstkonfiguration oder signal-cli selbst. Wenn das einmal sauber eingerichtet ist, funktioniert es im Alltag aber gut.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt: Eine gute Automation sendet nicht einfach nur einen Befehl. Sie prüft vorher den Zustand, berücksichtigt manuelle Eingriffe, bewertet die letzte Aktualisierung, kennt Sperren und Sonderfälle und zeigt dem Nutzer möglichst verständlich an, was gerade passiert.
Rolle von KI im Projekt
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Einsatz von KI bei der Entwicklung.
Die KI baut die Automation nicht von allein, aber sie ist ein sehr nützlicher technischer Sparringspartner. Besonders hilfreich ist sie beim Strukturieren von Logik, beim Schreiben und Refactoring von Skripten, bei Fehlersuche, Dokumentation und beim Durchdenken verschiedener Lösungswege.
In diesem Projekt kommen viele unterschiedliche Bausteine zusammen: PHP-Skripte in IP-Symcon, Python-Dienste, JSON-Daten, APIs, Linux, systemd, cron, MQTT, Home Connect, Shelly, Tuya, Signal und verschiedene lokale Logiken.
Der eigentliche Nutzen von KI liegt dabei nicht nur in einzelnen Codefragmenten, sondern darin, komplexe Zusammenhänge besser handhabbar zu machen. Sie hilft, Varianten zu vergleichen, Fehlerquellen einzugrenzen und aus vielen Einzellösungen eine nachvollziehbare Struktur zu bauen.
Gleichzeitig ersetzt KI nicht das technische Verständnis. Gerade wenn Automation reale Geräte steuert, muss man die Randbedingungen, Fehlersituationen und sicheren Zustände selbst verstehen und testen. Die Verantwortung bleibt beim Anwender.
Für mich ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie KI praktische technische Arbeit unterstützen kann: nicht als magische Lösung, sondern als Werkzeug neben Planung, Programmierung, Testen und Dokumentation.
Fazit
Aus einem einfachen Ersatz für ein schlechtes Temperaturdisplay ist nach und nach eine lokale Hausautomations- und Informationszentrale entstanden.
IP-Symcon verbindet dabei sehr unterschiedliche Bereiche: Energie, Wetter, Heizung, Haushaltsgeräte, Anwesenheit, Benachrichtigungen und Familienorganisation. Das System ist nie wirklich „fertig“, sondern wächst mit neuen Ideen und praktischen Bedürfnissen weiter.
Gerade das macht den Reiz aus: Man beginnt mit einem kleinen Problem, löst es sauber, ergänzt den nächsten Baustein – und irgendwann entsteht daraus eine eigene, sehr individuelle Steuerungsschicht für das Haus.
